PreSonus – Interview zur neuen Studio One 4.5 Version

Das beliebte DAW Studio One von PreSonus ist mit der Version 4.5 geupdated worden. Wir haben uns mit Entwickler Arnd Kaiser hingesetzt und über die Arbeit als Entwickler, das Update und die Zusammenarbeit mit Künstlern gesprochen.

Workshops zu Studio One 4.5

Ihr könnt Arnd übrigens auch in unseren Stores antreffen und ihn selbst zu dem neuen Update befragen. PreSonus gibt tolle Workshops in unseren Stores. Hier geht es zu den Facebook-Veranstaltungen:

Berlin | 29. Mai | 18 Uhr
Dortmund | 5. Juni | 19 Uhr
München | 6. Juni | 18 Uhr
Hamburg | 7. Juni | 19 Uhr

Moin Arnd, wie hoch ist der Innovationsdruck als Entwickler für dich?

Schaut man auf die größeren und kleineren Updates der gängigen DAWs über die letzten Jahre, dann fällt auf, dass der Großteil der neuen Features entweder aus dem Bereich Plug-ins / Virtuelle Instrumente kommen, oder Dinge betreffen, die man aus anderen DAWs bereits kennt. Dies hat zu einer generellen Konsolidierung geführt. Die individuellen Merkmale und Unterschiede werden dadurch immer geringer. Studio One hat sich in den letzten Jahren in verschiedene Richtungen weiterentwickelt – nicht zuletzt, weil unsere Kunden das von uns erwarten. Hier sieht man sowohl allgemeine Workflow-Verbesserungen, als auch innovative neue Features, die es in anderen DAWs zum Zeitpunkt der Veröffentlichung so nicht gab. Bei den Workflow-Verbesserungen versuchen wir nicht, das Rad neu zu erfinden. Das würden unsere Kunden auch nicht wollen.

Was Innovation angeht, haben und hatten wir immer schon eine ganze Reihe von Themen, die einfach nur Ihre Zeit zur “Reifung” brauchen. Angefangen hat das schon mit der integrierten Mastering-Umgebung (Project Page) und ARA (Audio Random Access), das wir zusammen mit Celemony entwickeln. Als Beispiele der jüngeren Updates seien die Scratch Pads und Mix Engine FX genannt. Beides sind Features, die es in keiner anderen DAW gibt.

Studio One User dürfen auch in Zukunft mit innovativen, neuen Ideen und Lösungen rechnen.

Woher nimmst du die Inspiration? Schaust du dafür auch was die Konkurrenz so macht?

Da viele unserer Kunden von anderen DAWs umgestiegen sind, müssen wir uns ansehen, was andere DAWs machen. Bei vielen Grundfunktionen werden einfach bestimmte Workflows erwartet. Trotzdem versuchen wir, in jedem Bereich mit unserer Implementierung eigene Ansätze zu verfolgen. Dabei steht die einfache Bedienung im Vordergrund. Zum Beispiel bieten wir immer dort, wo es möglich ist neben der Bedienung über Tastatur-Kurzbefehle auch Drag & Drop Bedienung an.

Welche Neuerung in einem DAW, außerhalb von Studio One, hat dich am meisten beeindruckt? Wieso?

Aktuell beeindruckt mich das flexible Modulations-System und die Steuerungsmöglichkeiten externer, analoger Hardware in Bitwig Studio. Generell freue ich mich, dass neben Studio One auch andere DAWs inzwischen ARA Unterstützung anbieten oder daran arbeiten. Das macht ARA für Plug-in Entwickler attraktiver und hilft somit der gesamten Branche.

Jedes DAW lebt vom Feedback der Künstler. Wie sieht bei euch die Zusammenarbeit mit Künstlern bei der Findung von Lösungen und neuen Features aus?

Ich habe engen Kontakt mit einer ganzen Reihe von Künstlern, die mit Studio One arbeiten. Dazu gehören U.S. Produzenten wie Teddy Riley oder Gary Noble. In Europa sind es Künstler wie Headhunterz, ATB oder James F. Reynolds (der die letzten beiden Alben von BTS gemischt hat). Natürlich hat PreSonus Artist Relations Leute und unsere internationalen Vertriebe pflegen ebenfalls enge Kontakte mit prominenten Studio One Usern. Hier sei beispielsweise MI7 in Japan genannt, die schon seit Jahren eine sehr erfolgreiche Studio One “Switch” Kampagne betreiben. Nach Umfragen von Fachzeitschriften ist Studio One in Japan inzwischen die beliebteste DAW.

Die neue Version von Studio One 4.5 ist endlich raus. Mit dem Chord Track, Harmonic Editing und Drum-Modul Impact hat PreSonus letztes Jahr ziemlich überrascht. Welche neuen Features der 4.5 Version findest du persönlich am spannendsten?

Als Elektronik-Musiker finde ich die vielen neuen Notenbearbeitungs-Funktionen besonders interessant. In Verbindung mit frei-definierbaren Kurzbefehlen und Makros sind die eine richtige “Waffe” für schnellen Workflow – sowohl bei Standard-Operationen, als auch bei mehr kreativen Aktionen. Wer jetzt noch meint, Studio One wäre “schwach im MIDI Bereich”, der sollte sich dieses Update mal genauer ansehen.

Auf eurer Website ist eine der im FAQ am häufigsten gestellte Fragen, ob eine Integration der Komplete Kontrol MK2 Reihe stattfinden wird. Kannst du Licht ins Dunkle bringen?

Die Integration der Native Instruments Komplete Kontrol Mk2 Reihe ist inzwischen der häufigste Feature-Wunsch. Wir haben bereits mehrere Gespräche mit den Software-Entwicklern bei NI geführt und arbeiten aktiv an einer Lösung. Leider hat NI in den Mk2 Keyboards den MCU Support (Mackie Control Unterstützung) ausgebaut, ohne den sich aktuell die Transport-Tasten mit Studio One nicht verwenden lassen. Dies soll aber – wie wir gehört haben – bald mit einem Update für die Controller wieder möglich sein. Wie gut eine Controller-Einbindung mit Studio One funktionieren kann, zeigt die neue Software von Nektar Technologies, die jetzt für die Keyboards der T-Serie veröffentlicht wurde. Hier haben die Entwickler von Nektar ganze Arbeit geleistet.