Teenage Engineering Interview zum neuen OP-Z

Teenage Engineering bringt bald den neuen OP-Z auf den Markt. Wir haben mit den beiden Produktspezialisten Steve Baltes und Bruno Kramm über ihre Erfahrungen mit den Synthesizern der schwedischen Manufaktur gesprochen. 

 

 

Moin Bruno und Steve. Ihr stellt am 13.12. in unserem Flagshipstore in Berlin den neuen OP-Z vor und werdet zusätzlich noch den OP-1, wie auch die Pocket Operator Reihe zum Ausprobieren dabei haben.

Bruno, du wirst uns zeigen, was der OP-Z alles drauf hat. Der Design-Minimalismus spiegelt sich in der Größe des Geräts wieder. Was war dein Gedanke, als du zum ersten mal die Möglichkeit hattest, den Synthesizer auszuprobieren?

Bruno: Ich hatte natürlich schon lange mit dem OP-1 und den Pocket Operators der Metal Serie experimentiert und in diversen Produktionen eingesetzt, so waren die Erwartungen an den so lange Jahre erhofften OP-Z schon sehr groß. Das Angebot von TE (Teenage Engineering) während unserer Das Ich USA Tour in New York war dann schon ein absolutes Highlight. Dagegen hätte ich jeden Gig versetzt – zum Glück war ja Off-day. Mein erstes „Aha“-Erlebnis war die Vertrautheit mit der man sofort auch ohne jedes Display loslegen konnte und direkt anfängt zu grooven.

Wie intuitiv ist der OP-Z bei dem großen Umfang an Funktionen zu bedienen?

Bruno: Jemand, der noch nie mit TE Instrumenten gearbeitet hat, wird natürlich ein wenig Einarbeitung brauchen und auch diese klassischen Berührungsängste haben. „Das kann nicht professionell sein, alles so klein, kein Display“. Der OP-Z ist so unglaublich logisch aufgebaut und hat dennoch ein nicht enden wollendes Spektrum an Möglichkeiten, die weit über die normale Klangformung hinausgehen und sich dann im Laufe der Zeit erschließen. Wesentlich ist aber immer eins: Der inspirative Charakter des OP-Z. Man hat immer das Gefühl mit jemandem zu Jammen anstatt allein herumzuklimpern. Und in der Tat: Als musikalisches Notizbuch ist er mittlerweile mein ständiger Begleiter.

Teenage Engineering beschreibt den OP-Z als „multimedia synthesizer and sequencer“. Im Internet sind erste Eindrücke von der Soundbooth 2018 nachzulesen, die ihn als Rompler / Sampler in Richtung Groovebox beschreiben. Wie würdest du ihn in deinen eigenen Worten bezeichnen?

Bruno: Er ist für mich nicht weniger als die dritte Revolution der elektronischen Musik. Die erste waren all jene Midi Synthesizer in den 80ern, die erschwinglich waren, die zweite dann die VST Bildschirm Revolution, quasi alles am Rechner arrangieren zu können anstatt via SMPTE Timecode und Midi-Schnittstellen zu arbeiten. Die dritte Revolution ist in meinen Augen die Befreiung des elektronischen Musikanten ganz nach Kraftwerks „Der Musikant mit dem Taschenrechner in der Hand“. Die Möglichkeit, endlich wie jeder Lagerfeuer-klampfende Musikant spontan an jedem Ort zu musizieren und die triste Umgebung eines Studios gegen eine Umwelt, die dich musikalisch inspiriert, einzutauschen ist mehr als reine Befreiung. Es gibt für mich nichts schöneres als in meiner zweiten Heimat Finnland irgendwo im Wald, am See oder im Fels spontan Songs ausarbeiten zu können. Die Integration der Pocket Operator wie PO33 oder PO35 macht dann auch mehr als einen Rompler aus dem OP-Z.

Wie hat sich der OP-Z auf deinen persönlichen Workflow ausgewirkt?

Bruno: Komplett…Die neuen Songs für unser kommendes Album entstehen nur mit MPC Live und OP-Z. Früher ging das nur im Studio. Jetzt auch im Sandkasten bei meinen Kindern, im Flughafen oder am See.

Außer, dass beim OP-Z auf den integrierten Bildschirm verzichtet wurde: Was ist der Unterschied zwischen dem 2011 herausgekommenen OP-1 und dem neuen OP-Z?

Bruno: Der erste ist ein visionärer 4 Track Recorder mit Sampler und Synthesizer, Effekten und eingeschränkten Sequencer Funktionen, aber ein Alleingänger, der sich kaum integrieren lässt, der OP-Z ist dagegen sozial, er kann deine zentrale Sequencer Steuereinheit sein, aber auch dein Notizbuch, deine spontane Ideenmaschine oder einfach auch ein großartiger Synthesizer, der darüber hinaus die Musik noch um eine weitere Dimension ergänzt: Das visuelle. Gerade die Motion und Photomaticsektion ist absolut fantastisch und wird viele elektronische Musiker die Synergie von Bild und Ton neu erforschen lassen. Ich denke hier beginnt das große Abenteuer für neue Kunstformen.

Den fehlenden Bildschirm haben wir ja gerade angesprochen. Beim OP-1 drehte sich das Interface um das integrierte Display. Mit dem OP-Z wird eine eigene App für iOS-Geräte angeboten. Kannst du schon sagen, ob die App auch für Android Systeme zugänglich gemacht wird?

Bruno: Leider bisher nicht…das hat sicher auch mit den schwer einzuschätzenden Latenzen bei Androids aber auch mit der nur unzureichenden Unity Integration zu tun. Unity als zentrales Werkzeug für Animationen ist der omnipotente Partner des visuellen OP-Z. Natürlich kann ich mit dem OP-Z aber auch andere Systeme ansteuern, z.B. PC/Linuxrechner mit Blender oder Touchdesigner.

Was können wir für Accessoires für den OP-Z erwarten?

Bruno: So richtig spannend wird der OP-Z mit den Modulen. Das aktuell im Betatest befindliche OP-lab läuft reibungsfrei und vernetzt alle 3 Generationen der elektronischen Musikrevolution von CV/Gate, Midi, Trigger und Pocket Sync

Steve: Zusätzlich wird es diverse Bags aus PVC und Leder geben. Teenage Engineering ist eine der wenigen Firmen bei der sogar Kabel sexy sind – so wird es auch diverse Audio- und USB-C Kabel geben. Außerdem ist ein Grib Knob Kit für die Lego kompatiblen Encoder geplant.

Steve, der OP-1 erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. YouTube-Channel, wie Red Means Recording oder Andrew Huang sind klare Fans des Synths. Ihre Videos lassen den Anschein erwecken, dass der Umgang mit dem OP-1 einfach und intuitiv sei. Ist der OP-1 deiner Meinung nach ein Synthesizer für Einsteiger? Oder ist vielleicht die Pocket Operator Reihe eine bessere Wahl?

Steve: in der Tat, wenn man bedenkt dass der OP-1 bereits 2011 vorgestellt wurde und die Nachfrage immer noch deutlich höher ist als die Stückzahlen, die gefertigt werden können
– die Fangemeinde ist riesig und wächst ständig weiter. Ich würde den OP-1 jedoch tatsächlich nicht unbedingt als Einsteiger-Synth bezeichnen.

Man muss wissen worauf man sich einlässt, wird dafür aber langfristig belohnt. Hier sind die Limitierungen (Stichwort: Tape) Teil des Konzepts, was unter Umständen für Neueinsteiger mit Blick auf den Preis abschreckend sein kann.

Der OP-1 kann aber wertvolle Impulse geben, wenn man schon einen kleinen Pool an Equipment hat. Die Pocket Operatoren würde ich zum Einstieg vorziehen, sie sind günstig, haben aber trotzdem einen kompromisslosen Sound (insbesondere PO-32, PO-12 und der Pocket-Sampler PO-33) und viel wichtiger: einen hohen Spaßfaktor mit „instant Gratification“.

Abschließend: Versetzt euch in die Lage eines Musikers, der interessiert an den Produkten von Teenage Engineering ist, aber noch nie ein Produkt gekauft hat. Wem würdet ihr jeweils den OP-Z, den OP-1 und die Pocket Operator Reihe empfehlen – für welche Zwecke und Musikrichtungen?

Steve: Mein Favorit ist im Moment der OP-Z, der Genre-übergreifend alles abliefern kann. Insbesondere bei Beats klingt das Teil unglaublich fett. Wenn der OP-Z das Budget sprengt, sind meine Favoriten: PO-33 als Pocket-Sampler – die Slicing Option ist spannend für Hip Hop und andere Sample-basierten Genres.

Der PO-32 Drum-Synthesizer ist mein Lieblings Pocket, da er für die Größe einen schon unverschämten Wumms hat – großartig für Electro, Techno, Electronica. Außerdem super für Beats ist der PO-12 mit seinen Sample-basierten Drums, nicht ganz so flexibel wie der PO-32 bei dem man die Sounds sogar per (optionalem) PlugIn komplett editieren kann. OP-1 würde ich jedem experementierfreudigen Musiker zur Horizont-Erweiterung und um Gewohnheiten aufzubrechen empfehlen. Auch beim OP-1 spielt das Genre eigentlich keine Rolle.

Danke für das super Interview Jungs!

Wer selbst mal gerne die verschiedenen Produkte von Teenage Engineering ausprobieren möchte, sollte unseren Shop Takeover am 13.12. nicht verpassen! Dort könnt ihr auch Steve und Bruno persönlich eure Fragen zu den Synthesizern stellen!

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